Es ist wirklich ein Problem, dass die meisten Unternehmen, die erkannt haben, dass sie etwas verändern müssen, mit dem zweiten Schritt beginnen. Mit anderen Worten: „Wir haben erkannt, dass wir etwas verändern müssen, nun brauchen wir eine Struktur, wie wir die Veränderung in unser Unternehmen bekommen.“
Manchmal wird versucht, die Veränderung mit einer Change Story zu begleiten. Bei genauem hinsehen fällt aber auf, dass diese Story nur eine Folge der Struktur ist anstatt den nachvollziehbaren Grund für die Veränderung zu erzählen.
Es wird also stets die Frage nach dem WIE gestellt. Die Frage nach dem WARUM bleibt außen vor. Hier müssen wir in die Tiefe gehen. Natürlich wird der Belegschaft des Unternehmens erklärt, dass das Unternehmen zukunftsfähig bleiben muss. Diese Erklärung ist richtig, aber so oberflächlich, weil so allgemeingültig, dass sie niemanden im tiefsten Inneren berührt, aus diesem Grund nicht relevant ist und nicht zu einem handlungstreibenden Motiv wird.
Genau diese handlungstreibenden Motive sind aber notwendig, damit alle das gleiche Ziel haben und es mit aller Macht erreichen wollen.
Um diese Motive zu erkennen und benennen zu können, hat sich Simon Sineks Konzept des Golden Circle (Why How What) als erfolgreich herausgestellt. Es ist ein sehr sinnvolles und starkes Konzept, allerdings muss man sich eingehend damit beschäftigen, sonst ist die Gefahr groß, einzelne Ws inhaltlich miteinander zu vertauschen.
Ein sehr schönes Beispiel, um es gut zu verstehen: der berühmte Satz von Saint Exupéry:
“Wenn du ein Schiff bauen willst, dann verteile nicht Aufgaben und Material, sondern lehre die Menschen, die es bauen sollen, die Sehnsucht nach dem offenen, weiten Meer.“
Das What ist einfach, das ist das Schiff. Auch das How ist leicht, das sind die Aufgaben und das Material (Strukturen und Prozesse). Schwieriger zu erkennen, aber motivationsmäßig nicht zu toppen, ist das WHY – in diesem Fall natürlich die Sehnsucht nach dem offenen, weiten Meer.
Für die meisten Unternehmen ist es allerdings sehr schwierig, den Leuten Sehnsucht in die Köpfe bringen zu wollen. Hier befinden wir uns auf dem seltsamerweise für deutsche Unternehmen anscheinend immer noch sehr gefährlichen Terrain der weichen Faktoren, der Emotionen, der Gefühlsebene. Aber genau das ist das Geheimnis:
Menschen sind zu allererst Gefühlswesen und entscheiden auch auf dieser Ebene. Die Rationalität dient immer nur dazu, die gefühlten Entscheidungen zu erklären, zu rechtfertigen. (Quelle: Scheyer, Held)
0Kommentare